Welche Agenda hat mein Spiel?

Als Schiller festhielt, dass der Mensch nur da Mensch sei, wo er spiele, hatte er die eine Milliarde US-Dollar Umsatz, die GTA V in 72 Stunden erzielte (noch) nicht im Auge. Dass digitale Spiele aber neben ihrem wirtschaftlichen Erfolg auch ihre eigenen streitbaren Ideologien und politischen Überzeugungen mitbringen, wird außerhalb von Fachkreisen kaum wahrgenommen oder diskutiert. Enter Rudolf Inderst. In unserem letzten Vortrag des SpieleKulturLabors wird Rudolf uns eine Einführung in Ideologien in Computerspielen geben. Schlagworte wie Agenda-Setting oder Moral-Choice-Systeme bilden die Eckpunkte von seinem Ausflug in die (Spiel-)Welt moderner Video- und Computerspiele.

Als Weltentwürfe oder -modelle bilden Spiele mittels Regeln Wirklichkeit ab oder stellen diese sogar her. Somit transportieren und kommunizieren sie Bedeutung. Sie bieten Projektionsflächen mittels derer Spielende Weltanschauungen bestätigen und einüben, jedoch auch hinterfragen und verwerfen. Gleichzeitig sind sie ebenso Kulturtechniken, also Medien, die erlebbare Wirklichkeit von Kulturen konstituieren. Aufgrund des einsetzenden und immer stärkeren Zusammenwachsens von Medien erweitern sich diese Weltentwürfe digitaler Spiele transmedial, das heißt, in etwa, durch „den Film, Roman oder das Comic zum Spiel“.

Darüber hinaus bilden Spiele einen milliardenschweren Markt: allein in den USA – der bedeutendsten Absatzregion – lag der Umsatz 2013 bei 22 Milliarden US-Dollar. Und die Autorin und Spieledesignerin Jane McGonigal merkt an, dass weltweit wöchentlich drei Milliarden Stunden digital gespielt wird. So tragen Spiele minütlich und global ihre offensichtlichen und versteckten Botschaften in unsere Haushalte.

Es gibt also sehr gute Gründe mit einem kulturkritischen und technoskeptischen Auge auf das Phänomen Video- und Computerspiel zu blicken und sie als Medium ernst zu nehmen. Rudolf Inderst sagt: „Für erwachsene und mündige Spieler ist es an der Zeit, kritische Fragen zu stellen: Welche Agenda wird hier (unabsichtlicht) verkauft? Welche Weltbilder werden hier gefördert oder als selbstverständlich genommen?” Wir freuen uns, mit ihm gemeinsam diese Fragen zu ergründen!

Rudolf Inderst wurde 1978 in München geboren und studierte dort und in Kopenhagen Politikwissenschaften, Neuere und Neueste Geschichte, sowie Amerikanische Kulturgeschichte. Als Ressortleiter für Digitale Spiele bei nahaufnahmen.ch ist er seit sechs Jahren tätig. Abseits des Schreibtisches interessiert er sich für Krav Maga, liebt Stanislaw Lem, Hörspiele sowie Podcasts und ist Videospieler seit 1986.

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Twitter: www.twitter.com/benflavor
Wikipedia: de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Inderst